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      Modulor Geschäftsführer Christof Struhk im Gespräch über das Dilemma: Zwischen Plastikkram und Klimaaktivismus

      Zwischen Klimaaktivismus und Plastikkram – Christof über das Modulor Dilemma 


      In unserem Social Media Kommentarfeld, bei internen Meetings und quer über unsere Schreibtische hinweg – das Wort Dilemma ist in den letzten Wochen und Monaten ziemlich oft gefallen. Sicher, weil wir einerseits als Kreativkaufhaus ein Handelsunternehmen sind und andererseits für bewussteren Konsum plädieren und uns Klimaschutz auf die Fahne schreiben. Aber was ist das Modulor Dilemma denn nun genau? Wir haben uns hierzu mal mit Christof, unserem Geschäftsführer, an den Tisch gesetzt. Und dabei allerhand erfahren. Zum Beispiel, warum Christof heute ebenso gut Biobauer sein könnte. Seine Sicht der Dinge in Sachen CO2-Steuer. Und, wie Modulor in einer Welt aussehen würde, in der Geld keine Rolle spielt. Aber lies selbst. 

      In Zusammenhang mit dem Thema „Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei Modulor“ hast Du häufiger von einem „Dilemma“ gesprochen. Was meinst Du damit?
      Was ist das Modulor Dilemma?


      Als Handelsunternehmen, das Konsumgüter aus Kunststoff, transportintensive Produkte aus Asien und sicher zahlreiche weitere Artikel mit zweifelhafter Klimabilanz anbietet, sind wir Teil eines Systems, in dem wir in seiner derzeitigen Ausprägung und unter den aktuellen Rahmenbedingungen „per se“ nicht wirklich nachhaltig agieren können. Zum Dilemma wird dieser Umstand dann, wenn ich das System als Akteur innerhalb dieses Systems kritisiere und Änderungen fordere.

      Wie gehst Du mit diesem Thema beziehungsweise dem Dilemma um? Als Unternehmer und persönlich?


      Wie jeder Mensch habe ich die Wahl: Ich kann das Thema einfach ausblenden, was die meisten Leute – nicht nur Unternehmerinnen und Unternehmer – ja auch tun. Oder ich kann die Krankheit unseres derzeitigen Wirtschaftssystems ansprechen und rasche Änderungen der Rahmenbedingungen fordern. Ich entscheide mich für Letzteres, weil das in meinen Augen der einzig richtige Weg ist.

      Persönlich konsumiere ich möglichst wenig, kaufe möglichst regional, fahre kein Auto und fliege höchstens einmal im Jahr. Ich frage mich immer, ob ich den Kram wirklich brauche. „Brauchen“ – das definiere ich für mich so, dass ich dadurch eine wirklich wahrnehmbare und möglichst nachhaltige Erhöhung meiner Zufriedenheit erfahre.

      Christof Struhk Geschäftsführer von Modulor Berlin im Gespräch
      Christof Struhk Geschäftsführer von Modulor in Berlin spricht über das Gefühl der Hilfslosigkeit angesichts der Klimakrise

      Was ich schwer aushalten kann, ist, täglich diesen durchgeknallten Wahnsinn, dieses „Immer mehr“ wahrzunehmen und feststellen zu müssen, dass die Menschen in unserer Gesellschaft trotz kontinuierlich steigendem Konsum eher unzufriedener als glücklicher werden. Das ist kompletter Unsinn. Es zeigt mir, dass wir als Menschheit noch ganz am Anfang einer notwendigen Transformation hin zu mehr Eigenwahrnehmung und Gemeinschaftssinn stehen. Das gilt übrigens auch für mich.

      Du bist ja neuerdings Mitglied von Extinction Rebellion, was hat Dich zu diesem Schritt bewogen?


      Ich bin nicht Mitglied bei Extinction Rebellion. Da kann man auch gar nicht Mitglied sein, weil es in diesem Sinne keine Organisation gibt. Jeder darf unter dem Namen von XR auftreten, wenn er deren Grundsätze beherzigt und einhält. Aus unterschiedlichen Gründen sympathisiere ich aber mit XR und stelle einigen Arbeitsgruppen deshalb auch Raum bei Modulor zur Verfügung bzw. unterstütze mit Material – nicht nur wegen der konsequenten Analyse der Situation und dem Ansatz, darauf mit Blockaden des Systems zu reagieren. Bei den Treffen, bei denen ich war, konnte ich auch eine besondere Energie zwischen den Leuten wahrnehmen. Die Prinzipien und Werte, die ja viel tiefgreifender ansetzen, werden dort wirklich gelebt – der notwendige Schritt in Richtung Bewusstseinswandel der Menschheit, weg vom Haben, hin zum Sein, weg vom Getrenntsein, hin zu echter Gemeinschaft.

      Definitiv würde es Modulor, so wie es heute ist, nicht geben. Modulor wäre – wenn es überhaupt existieren würde und ich nicht ein kleiner Biobauer wäre – ein kleineres, hauptsächlich regional agierendes Unternehmen mit größeren finanziellen Rücklagen. 
      Christof Struhk Geschäftsführer von Modulor in Berlin über die Hindernisse auf dem Weg zum nachhaltigeren Unternehmen

      Du hast Modulor ja bereits 1988 gegründet. Vor 30 Jahren war die Situation, in der wir uns heute befinden, ja nicht unbedingt abzusehen. Was würdest Du heute anders machen? Würde es Modulor so überhaupt geben?


      Na ja – ganz ehrlich gesagt – diese Situation war abzusehen. Es hat nur keiner hingehört und hingesehen – ich auch nicht. Irgendwie haben wir immer gedacht „Ach, das wird schon irgendwie gutgehen“. Die meisten Menschen tun das ja heute noch – allen voran unsere Regierung.

      Aber zur Frage: Definitiv würde es Modulor, so wie es heute ist, nicht geben. Was ich anders machen würde, ist aber sehr schwer zu sagen. Modulor wäre, wenn es überhaupt existieren würde und ich nicht ein kleiner Biobauer oder in einer anderen nachhaltigen Branche tätig wäre, ein kleineres, hauptsächlich regional agierendes Unternehmen mit größeren finanziellen Rücklagen. Damit wäre die Firma flexibler, würde geringeren Risiken unterliegen und könnte leichter umgebaut werden. Ich persönlich hätte weniger Verantwortung und würde mich angesichts der Klimakrise weniger hilflos fühlen.

      Stichwort Geld – Wenn Geld überhaupt kein Thema wäre, wie würde Modulor dann aussehen? Was wäre dein Ideal?


      Auch wenn sie etwas irrational ist, ist das eine interessante Frage. Ich antworte deshalb darauf ebenso: Bei Modulor gäbe es Workshopräume, ein Repair-Café, Werkstätten, eine Gemeinschaftsküche und Veranstaltungsräume. Diese wären für wenig Geld nutzbar, damit Menschen dort erfahren können, dass kreatives Erschaffen, Selbermachen, Reparieren etc. zusammen mit anderen viel befriedigender ist, als immer neues Zeug zu kaufen.

      Es gäbe ausschließlich gute Produkte mit langer Lebensdauer. Und weil ganze Heerscharen an Mitarbeiter*innen es recherchieren würden, würde an allen Produkten dranstehen, wie viel CO2 bei Produktion und Transport angefallen ist und wer sie unter welchen Bedingungen hergestellt hat.

      Christof Struhk Geschäftsführer von Modulor in Berlin im Laden am Moritzplatz
      Modulor Geschäftsführer Christof Struhk im Laden am Moritzplatz

      Modulor würde außerdem vieles vermieten, damit die Leute möglichst wenig selbst besitzen müssen.
      Es gäbe einen Modulor-Shuttle, der mit Wasserstoffantrieb durch Berlin fährt, um die Besucher einzusammeln. Zusätzlich könnte man kostenlos Lastenräder leihen, um die gekauften, gebauten oder gemieteten Produkte nach Hause zu transportieren. Das ganze Haus wäre mit Solarzellen gepflastert und da, wo die nicht anzubringen sind, wachsen Pflanzen. Räume, die abends und nachts – also während unserer Schließzeiten – nicht benötigt werden, werden in dieser Zeit von anderen Leuten genutzt. Und Mitarbeiter*innen mit Kindern bekämen automatisch mehr Gehalt als solche im gleichen Job ohne Kinder. Für alle Kolleg*innen gäbe es zahlreiche Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung und Weiterbildung – unabhängig vom Bereich, in dem sie arbeiten.
      Na ja – und so weiter …

      Vieles davon steht für die nächsten Jahre tatsächlich auf der Ideenliste. Vorher müssen wir allerdings noch Ertragsmodelle für jede Idee entwickeln – schließlich sieht die Wirklichkeit nun mal anders aus. Investitionskapital muss vorhanden sein und mindestens die Kosten müssen erwirtschaftet werden.

      Ja – zurück zur Realität: Jede große Veränderung beginnt mit kleinen Schritten. Und ein Unternehmen kann nicht von dem einem auf den anderen Tag nachhaltig oder gar klimafreundlich werden. Wie sehen diese kleinen Schritte bei Modulor aus?


      Na ja, zum Glück beginnt nicht jede Veränderung mit kleinen Schritten. Wenn diese Gesellschaft weiterhin nur kleine Schritte geht, wird das böse enden.

      Aber ja, unter den derzeitigen Rahmenbedingungen geht es bei uns tatsächlich aber nicht anders. Deswegen arbeiten wir im Rahmen unserer Möglichkeiten darauf hin, dass das Unternehmen nachhaltiger wird – in für uns umsetzbaren Schritten. Wie diese konkret aussehen werden, erarbeiten wir in Arbeitsgruppen, an denen Kolleg*innen aus allen Bereichen beteiligt sind. Zwar gibt es schon zahlreiche Ideen, für deren Bewertung müssen nun aber erst mal Kriterien erarbeitet werden. Anschließend werden wir die Maßnahmen priorisieren und sukzessive abarbeiten.
      Die Vision ist CO2-Neutralität. Wenn man die Möglichkeit zur Kompensation des CO2-Ausstoßes in Betracht zieht, ist das sogar ein erreichbares Ziel. Dann ist es primär eine Frage der Kosten – beim derzeitigen Preis der Tonne CO2 vielleicht sogar für uns finanzierbar – aber letztlich immer ein Fake, solange die Kosten für CO2 so niedrig sind.

      Christof Struhk Geschäftsführer von Modulor über die Hindernisse auf dem Weg zum nachhaltigeren Unternehmen
      Christof Struhk Geschäftsführer von Modulor in Berlin im Interview

      Um wirklich etwas zu bewirken, müsste man natürlich weiter gehen. Ich müsste bereit sein, das Unternehmen radikal umzubauen, was ganz sicher Arbeitsplatzverluste und vielleicht sogar den Tod des Unternehmens nach sich ziehen würde. Würden wir uns z.B. dafür entscheiden, ab sofort nur noch in Deutschland oder Europa hergestellte Produkte anzubieten, um die klimaschädlichen Emissionen durch den Transport der Güter zu reduzieren, müssten wir wahrscheinlich die Hälfte aller Produkte aus dem Sortiment entfernen. Weil es für die meisten dieser Produkte aber keine in Deutschland oder Europa gefertigten Alternativprodukte gibt, müssten wir in der Folge massiv Personal abbauen und könnten wahrscheinlich unsere Miete nicht mehr bezahlen. 

      Was hindert Dich oder Modulor daran, bestimmte Dinge umzusetzen? Was sollte Deiner Meinung nach deutlich schneller passieren, warum sind da aber auch Dir selbst die Hände gebunden?


      Selbst wenn Modulor als Konzept weltweit einzigartig ist, gibt’s die von uns angebotenen Produkte doch auch anderswo. Wir stehen also im Wettbewerb zu anderen Unternehmen. Dementsprechend müssen wir unsere Produkte marktgerecht anbieten – sonst würde sie keiner kaufen. Das können wir nur, wenn wir die Kosten im Griff behalten. Aufwändige Maßnahmen wie das Recherchieren des CO2-Footprints aller einzelnen Produkte und deren Kommunikation am Regal bzw. im Webshop können wir unter diesen Umständen nicht finanzieren.
      Das wäre auch nicht nötig, wenn es echte CO2-Steuern auf fossile Brennstoffe bzw. entsprechende Zölle bei Importprodukten gäbe. Solche Steuern und Abgaben müssen so hoch sein, dass sie die real entstehenden Kosten durch den CO2-Ausstoß abbilden. Dann gelten gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter und es würde insgesamt weniger konsumiert werden.

      Maßnahmen für ein klimafreundlicheres Modulor: Das steht laut Modulor Geschäftsführer Christof Struhk aktuell ganz oben auf der Agenda

      Eigentlich ist das ganz einfach. Wir müssen uns nur vom Dogma des ewigen Wachstums verabschieden und uns mit dem Gedanken anfreunden, dass wir in Zukunft weniger, aber eben gute Dinge teurer einkaufen werden. Wer das als Einschränkung begreift, sollte sich jedoch fragen, ob es ihm wirklich besser geht, wenn er immer wieder neue Klamotten trägt, ob es nicht befriedigend wäre, die Möbel fürs ganze Leben zu erwerben oder sogar selbst zu bauen. So würden wir wieder eine Beziehung zu den Dingen herstellen, mit denen wir uns umgeben. Wir bräuchten kein Vintage-Zeug, weil die Dinge wirklich eine echte Geschichte haben – der Tisch, den ich bei Modulor selbst gebaut, das Geschirr, das ich von meiner Oma geerbt oder die Hose, die ich vor zehn Jahren zusammen mit meiner Freundin in Italien gekauft habe.

      Klar – Gesetze, die solche Veränderungen herbeiführen, werden unsere Gesellschaft wahrscheinlich erst mal belasten, was aber auch eine Chance ist. Eine Chance, sich wieder als Teil einer Gemeinschaft zu begreifen und dadurch Zufriedenheit zu erlangen. 

      Das ist doch ein wunderbares Schlusswort. Bleibt noch zu sagen: Danke Christof für das Gespräch!

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